TLS 1.2 ist eingefroren: IETF kündigt RSA- und FFDHE-Schlüsselaustausch ab
Drei neue RFCs besiegeln die TLS-1.2-Ära: Feature-Freeze, abgekündigte Schlüsselaustausche, TLS-1.3-Pflicht für neue Protokolle. Für Mailserver bricht nichts — aber die Richtung ist jetzt offiziell.
Die IETF hat die TLS-1.2-Ära formell abgeschlossen. RFC 9851 stellt TLS 1.2 unter Feature-Freeze: Außer dringenden Sicherheitskorrekturen, neuen TLS-Exporter-Labels und neuen ALPN-Protocol-IDs wird es keine Änderungen mehr geben. Der Freeze gilt für TLS — DTLS ist ausdrücklich ausgenommen.
Gleichzeitig kündigt RFC 10015 zwei Schlüsselaustauschverfahren in (D)TLS 1.2 ab: Diffie-Hellman über endlichen Körpern (FFDHE) und den RSA-Schlüsselaustausch. Statisches Elliptic-Curve-Diffie-Hellman wird zusätzlich als „discouraged" markiert. Das Dokument aktualisiert dafür siebzehn ältere RFCs — darunter die TLS-Empfehlungen aus RFC 9325. Und RFC 9852 legt fest: Neue Protokolle, die TLS verwenden, müssen TLS 1.3 voraussetzen.
Für den Mailbetrieb ist das relevant, weil SMTP zu den größten verbliebenen TLS-1.2-Beständen gehört: Opportunistisches STARTTLS zwischen MTAs handelt in der Praxis noch häufig TLS 1.2 aus, weil ältere Gegenstellen nichts Besseres anbieten. Es bricht dadurch nichts — opportunistische Zustellung fällt nicht aus, und TLS 1.2 selbst bleibt definiert. Aber die Richtung ist jetzt offiziell: TLS 1.2 wird nicht mehr weiterentwickelt, und RSA-Schlüsselaustausch (ohne Forward Secrecy) sowie FFDHE-Suiten gelten als abgekündigt.
Konkret heißt das für Betreiber: prüfen, ob der eigene MTA und IMAP-Server TLS 1.3 anbieten und bevorzugen — bei aktuellen Postfix-, Dovecot- und OpenSSL-Ständen ist das der Fall — und ob handgepflegte Cipher-Listen noch RSA-Schlüsselaustausch oder FFDHE-Suiten enthalten. Solche Altlasten stammen oft aus Kompatibilitäts-Konfigurationen vergangener Jahre und lassen sich heute meist gefahrlos entfernen. Wer nichts gepinnt hat, muss in der Regel nichts tun.
Ob der eigene MX nach außen noch abgekündigte Verfahren anbietet, zeigt ein externer TLS-Check wie Kuveris.