Veraltete TLS-Versionen und schwache Cipher in Postfix deaktivieren
Deaktiviere veraltete TLS-Protokolle und schwache Verschlüsselungscodes in Postfix, um die Sicherheit deines Mailservers zu erhöhen.
Stand: Juli 2026
Zusammenfassung: Um Sicherheitsrisiken durch veraltete TLS-Protokolle (wie TLS 1.0 und TLS 1.1) sowie schwache Verschlüsselungscodes zu beheben, müssen Postfix-Server gezielt gehärtet werden. Dies geschieht über die Konfiguration der Parameter
smtpd_tls_mandatory_protocolsundsmtpd_tls_mandatory_ciphers.
Viele automatische Mailserver-Sicherheitsscanner wie Kuveris prüfen, ob veraltete TLS-Versionen (TLS 1.0, TLS 1.1) oder schwache Cipher-Suiten angeboten werden. Diese alten kryptografischen Protokolle gelten als unsicher. Um diese Befunde zu beheben, kannst du Postfix so konfigurieren, dass für erzwungene TLS-Verbindungen nur noch moderne Standards verwendet werden.
Mindestprotokolle konfigurieren (TLS 1.2 und höher)
Um die Verwendung von alten, unsicheren Protokollen wie SSLv2, SSLv3, TLS 1.0 und TLS 1.1 zu unterbinden, kannst du festlegen, welche Protokolle mindestens verwendet werden müssen.
Für neuere Postfix-Versionen (Postfix ab Version 3.6) gibt es dafür eine bevorzugte Syntax, mit der du direkt eine Untergrenze für TLS-Protokolle definieren kannst:
smtpd_tls_mandatory_protocols = >=TLSv1.2
Für ältere Postfix-Installationen, die diese neue Vergleichssyntax noch nicht unterstützen, steht eine alternative Syntax zur Verfügung. Hierbei werden die nicht erwünschten Protokolle explizit mit einem Ausrufezeichen (!) ausgeschlossen:
smtpd_tls_mandatory_protocols = !SSLv2, !SSLv3, !TLSv1, !TLSv1.1
Diese Einstellungen stellen sicher, dass alle erzwungenen TLS-Verbindungen mindestens auf TLS 1.2 aufbauen.
Schwache Cipher-Suiten ausschließen
Zusätzlich zu den TLS-Protokollversionen müssen auch die genutzten Verschlüsselungsverfahren (Cipher) abgesichert werden. Postfix gruppiert Verschlüsselungsstärken in vordefinierte Klassen. Für eine starke Sicherheit empfiehlt sich die Stufe high:
smtpd_tls_mandatory_ciphers = high
Um zusätzlich anfällige oder unerwünschte Chiffren (wie anonyme TLS-Chiffren ohne Serverauthentifizierung sowie den veralteten MD5-Algorithmus) gezielt auszuschließen, konfigurierst du eine Ausschlussliste:
smtpd_tls_mandatory_exclude_ciphers = aNULL, MD5
Mandatory vs. Opportunistic TLS: Der Unterschied bei der Härtung
Es ist wichtig zu verstehen, dass sich die oben gezeigten Einstellungen mit dem Namensbestandteil _mandatory_ (z. B. smtpd_tls_mandatory_protocols) nur auf Verbindungen auswirken, bei denen TLS erzwungen wird (z. B. auf dem Submission-Port 587 oder wenn smtpd_tls_security_level = encrypt gesetzt ist).
Bei Verbindungen mit opportunistischem TLS (smtpd_tls_security_level = may), das auf öffentlichen Posteingangsservern (MX) eingesetzt wird, um die allgemeine Erreichbarkeit nicht zu gefährden, gelten standardmäßig lockerere Regeln. Auf öffentlichen MX-Servern sollte man veraltete TLS-Versionen und schwache Verschlüsselungen im opportunistischen Modus in der Regel nicht zu restriktiv blockieren, um zu verhindern, dass E-Mails von veralteten Absendersystemen abgewiesen werden.
Konfiguration prüfen
Lade die Konfiguration nach den Änderungen mit postfix reload neu. Teste deine Einstellungen anschließend mit dem kostenlosen Kuveris-Scanner, um sicherzustellen, dass die Härtung wie gewünscht greift und keine Sicherheitslücken bei der Verschlüsselung bestehen.
Weiterführende Links
- Postfix TLS_README (abgerufen: 18. Juli 2026)